Wo der Fluggast das Gruseln lernt: Saint-Barthélemy

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swisseagle
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Wo der Fluggast das Gruseln lernt: Saint-Barthélemy

Beitragvon swisseagle » 17.01.2019 21:19

Unter einem Flughafen oder Flugplatz stellt man sich normalerweise ein ausgedehntes, weitgehend hindernisfreies Gelände vor, das möglichst problemlose bzw. sichere An- und Abflüge der verschiedenen Flugzeugtypen ermöglicht.
Als wir vor vielen Jahren nach etwas weniger ausgetretenen Touristenpfaden suchten, stiessen wir auf das interessante Angebot eines Reiseveranstalters für die französisch-holländische Karibikinsel St. Martin.
Bald darauf waren wir mit Air France von Zürich nach Paris und von dort in einer Boeing 747 der gleichen Airline im Direktflug nach St. Martin unterwegs.

Der Anflug auf diese Insel war schon spektakulär: Nach dem Sinkflug über dem Meer rauschten wir Sekunden vor dem Aufsetzen im Tiefstflug über den Strand, unmittelbar vor der Schwelle. Was ich aus dem Fenster des "Jumbo's" sah, liess mich fast an eine Fata Morgana glauben. Wenige Meter, direkt unter unserem Grossraumjet, befanden sich viele Badegäste, die gebannt zu uns nach oben blickten. Ein geradezu unglaubliches Risiko für diese Zuschauer. Hätte einer der landenden Jets die korrekte Höhe für den Ueberflug des Strandabschnittes nur ein wenig verfehlt, wäre dieser zu einer fliegenden Guillotine geworden. Einfach verrückt, dass diese lebensgefährliche Situation von den Behörden geduldet wurde.

Nach einer Woche relaxtem Badeaufenthalt auf St. Martin unternahmen meine Frau und ich einen Tagesausflug zu der nicht sehr weit entfernten Insel Saint-Barthélemey, kurz St. Barth genannt. Statt mit den regelmässig zwischen St. Martin und St. Barth verkehrenden zweimotorigen Inselhüpfern vom Typ Twin-Otter, fuhren wir per Ausflugsschiff bis zum Hafen von St. Barth.
Da ich schon mehrfach von dem recht ungewöhnlichen Flughafen der Insel gehört hatte, entschloss ich mich, mir diesen Platz per Taxi einmal persönlich anzusehen. Zuerst ging es über ein Hügelgelände bis zu Passhöhe. Dort baten wir unseren Fahrer um einen Zwischenstop. Kaum zu glauben, was sich dort für ein Anblick bot: Unmittelbar unter dem steil abfallenden Hang beginnt die kurze Asphaltpiste und endet direkt am Meer. Da kam schon die erste Twin-Otter haarscharf über die Passhöhe gerauscht und stach in einem Winkel nach unten, der einem der berüchtigten deutschen Stukas alle Ehre gemacht hätte. Weitere kleinere Ein- und Zweimotorige folgten in gleich abenteuerlicher Weise. Einfach haarsträubend. Gut, hatten wir uns für das Schiff entschieden, bemerkten meine Frau und ich.

Nach diesen Eindrücken fuhren wir die Passstrasse hinunter zum Flughafengebäude, das gepflegt und gut in die Landschaft passend erschien. Als wir uns auf dem Gelände umsahen, entdeckten wir etwas abseits der Landepiste eine geschrottete
zweimotorige Privatmaschine und die Reste einer gecrashten Cessna 172. Es waren sicher nicht die einzigen - bei diesen Anflugverhältnissen.

Später fuhren wir zu einem schönen Restaurant auf einem Hügel direkt am Meer gegenüber dem Pistenende
und beobachteten von der dortigen Terrasse aus weitere abenteuerliche Landungen sowie die Starts, die ganz normal, aber nur in Richtung Meer erfolgten. Nach einigen beeindruckenden Stunden brachte uns ein Taxi wieder zum Hafen, von wo wir uns sehr erleichtert per Schiff auf den Rückweg nach St. Martin machten. Fliegerisch bin ich ja einiges gewohnt - aber diese Anflüge auf St. Barth waren mir dann doch etwas zu happig.
Dateianhänge
Twin Otter.jpg
Der "Inselhüpfer" Twin-Otter (Symbolbild)
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Crash St. Barth.jpg
Missglückter Anflug mit Crash (Symbolbild)
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Airport St. Barth.jpg
Landeanflug der speziellen Art (Symbolbild)
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Airport St. Barth (2).jpg
Landeanflug nach Stuka-Art (Symbolbild)
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