Skifliegen - Aerodynamik der besonderen Art

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swisseagle
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Skifliegen - Aerodynamik der besonderen Art

Beitragvon swisseagle » 13.01.2021 23:22

Mein etwas ungewöhnlicher Beitrag handelt vom motorlosen Fliegen der besonderen Art - dem Skifliegen. Mit Wintersport habe ich persönlich nicht viel am Hut, mit einer Ausnahme: Als Jugendlicher preschte ich mit dem Schlitten die Hänge hinunter oder drehte auf Schlittschuhen im Eisstadion meine Runden.
Das frühere Skispringen, später Skifliegen, hatte mich jedoch - als Zuschauer - schon immer besonders fasziniert. Der Grund ist ganz einfach: Wenn die Athleten die steile Anlaufstrecke bis zum Schanzentisch hinunter rasen und dann an der Kante abheben, kann vom Springen eigentlich keine Rede mehr sein. Dann setzt wirkliches Fliegen nach den Gesetzen von Auftrieb und Widerstand ein. Die Sportler beugen sich zwischen ihren zur Seite gespreizten Skiern weit nach vorne und bilden mit ihren Körpern vom Kopf über den Oberkörper bis zu den Beinen eine gewölbte Fläche, ähnlich dem Querschnitt einer Tragfläche. Die Luftströmung hat dabei über den gekrümmten Rücken den längeren Weg zurückzulegen als jene, die am Unterkörper entlang verläuft. Es entsteht also Auftrieb nach dem aerodynamischen Prinzip von Sog und Druck. Trotz der hautengen Sportbekleidung, die möglichst wenig Luftwiderstand bieten soll, kann der aufmerksame Beobachter von Fall zu Fall sehen, wie der Auftrieb an nicht ganz eng anliegenden Kleidungsstücken diese am Rücken etwas nach oben zieht. Da der Skispringer bzw. Skiflieger keinen eigenen Antrieb besitzt, wird die Anlaufgeschwindigkeit nach dem Absprung von der Schanze durch den Luftwiderstand des Körpers und der Skier relativ rasch abgebaut und der Sportler nimmt einen immer steileren Bahnneigungsflug ein. Der steile Hang ist dieser Situation angepasst und ermöglicht es dem Skiflieger, seinen Geschwindigkeitsabbau vor der Landung hinauszuzögern und Weiten zu erzielen, die mit einem reinen Sprung nicht zu erreichen wären. Interessant ist dann das Aufsetzen auf dem Steilhang, das nochmals die aerodynamischen Vorgänge zeigt. Der Sportler verflacht final seinen Flug, die Strömung reisst ab und die Skier setzten auf, ähnlich einem Flugzeugfahrwerk auf der Landebahn.
Früher hielten die Skispringer ihre Skier beim Abheben vom Schanzentisch seitlich eng geschlossen. Wahrscheinlich war das vom Strömungsverlauf her nicht optimal und erzeugte zu viel Luftwiderstand. Die heute generell nach dem Absprung weit gespreizten Skier scheinen dieses Problem zu vermeiden. Ausserdem dürften die beidseits etwas schräg nach aussen-oben angestellten Skikanten noch etwas zusätzlichen Auftrieb anstelle von Widerstand erzeugen.


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