Segelflug spezial - Wie ein Drachen an der Leine....

Hier geht es um das Thema Segelflugzeuge alle Typen und Muster

Moderator: aerotimmi

swisseagle
Beiträge: 216
Registriert: 07.08.2018 16:57

Segelflug spezial - Wie ein Drachen an der Leine....

Beitragvon swisseagle » 25.07.2021 22:09

Die Startarten im Segelflug beinhalten diverse Varianten: Da gab es in den Anfängen den Gummiseilstart. Auf einem Höhenzug zogen Starthelfer ein langes Gummiseil aus, während der Segler an seinem Startpunkt von Kameraden blockiert wurde. Auf ein Kommando gaben diese den Flieger frei, der dann katapultartig nach vorne schoss. Ueber dem abfallenden Gelände befand sich das Segelflugzeug anschliessend im freien Flug und konnte im Hangaufwind oder in der Thermik Höhe gewinnen.
Eine andere Startmethode war der Autoschlepp. Der Segler wurde hinter einem kräftigen Fahrzeug an einem Seil auf eine relativ geringe Höhe vor einer Hangkante geschleppt und konnte so Richtung Tal in den Hangaufwind oder in die Thermik gelangen.
Mit dem bis heute aktuellen Windenschlepp wird das Segelflugzeug von einer Motorwinde wie einen Drachen auf mehrere hundert Meter Höhe geschleppt. Nach dem Ausklinken des dünnen Drahtseiles kann in der Thermik weitere Höhe gewonnen werden, um oft stundenlange Streckenflüge zu ermöglichen.
Eine sehr verbreitete Startart war und ist auch der Flugzeugschlepp. Ein Motorflugzeug bringt das Segelflugzeug an einem mehr oder weniger langen Seil auf grössere Höhe, wo es dann ausklinkt und in den freien Segelflug übergeht.
Auf unserem süddeutschen Fliegerhorst wurde ich seinerzeit in den beiden letzteren Startarten, dem Winden- und dem Flugzeugschlepp ausgebildet. Nichts Aussergewöhnliches, wäre da nicht eine ganz spezielle Variante des Startes an der Schleppwinde gewesen.
Im Herbst wehte manchmal ein beständiger straffer Westwind über das weite offene Gelände des Militärflugplatzes. Eigentlich keine idealen Bedingungen für uns Segelflieger, da sich die Thermik längst verabschiedet hatte. Trotzdem konnten wir unsere Flugleidenschaft nicht zügeln und waren auf dem Platz präsent. Unser bescheidener Flugzeugpark bestand aus einem Doppelsitzer Mü 13 E "Bergfalke", einem Einsitzer vom Typ "Grunau Baby III" und einem Schuldoppelsitzer "Specht" (Schulterdecker mit abgestrebten Flügeln). Der "Specht" war nicht der Aerodynamik letzter Schrei und wurde vor allem für die Schulung eingesetzt. Da hatte jemand plötzlich eine zündende Idee: Mit dem Windenfahrer vereinbarten wir, dass dieser den Segler nicht ganz bis zum Ausklinken schleppen sondern im letzten Drittel des Steigfluges das Gas langsam wegnehmen und den Schlepp abbrechen sollte. Wir nahmen dann den Steuerknüppel etwas zurück und der "Specht" hing im zügigen Westwind konstant einige hundert Meter über der Schleppwinde wie ein Drachen an der Leine. So waren stationäre Flüge von einer Stunde und mehr problemlos möglich.
Ein Riesenvergnügen. Hatten wir schliesslich genug und klinkten das Schleppseil aus, mussten wir mit grosser Mühe gegen den starken aber böenfreien Wind für die Landung ankämpfen. Oft reichte es nur sehr knapp zum Platz zurück, auf dem wir meist fast wie ein Helikopter landeten. Aber grossen Spass hatte diese spezielle Art, statt der Thermik den kräftigen Wind zu nutzen, auf jeden Fall gemacht.


[img][/img]

Zurück zu „Rund um das Thema Segelflugzeuge“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast