Fliegerische Flegeljahre............

Hier geht es um das Thema Sportflugzeuge aller Typen der E-Klasse

Moderator: aerotimmi

swisseagle
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Fliegerische Flegeljahre............

Beitragvon swisseagle » 09.11.2018 23:47

Als heutiger fliegender Senior würde ich mich bei aller Flugbegeisterung beileibe nicht zu jedem ins Flugzeug setzen. In meinen Jugendjahren war das noch etwas anders. Da wäre man auch auf einem Besenstiel geflogen, wenn diese Möglichkeit bestanden hätte.
Da ich von 1961 bis Anfang der Siebzigerjahre ausschliesslich als Segelflieger unterwegs war, nahm ich natürlich jede Gelegenheit wahr, mit Kollegen, die auch motorisiert flogen, die Unabhängigkeit in einem Motorflugzeug zu geniessen.

So teilte ich mit einem Kameraden, der regelmässig eine Cessna 172 oder einen Bölkow-Junior auf dem Flugplatz Hangelar bei Bonn charterte, die Flugstundenkosten. Eines Tages starteten wir mit der Cessna zu einem Flug rheinaufwärts und stiegen dann über der Mosel auf grössere Höhe. Da ritt meinen PIC offensichtlich der Teufel und er glaubte, mir die Segelflugqualitäten der Cessna vorführen zu müssen. Kurzerhand schaltete er die Zündung aus und mit stehendem Propeller, begleitet vom pfeifenden Fahrtwind ging es im Gleitflug abwärts. Die sich durch Weinberge schlängelnde Mosel kam näher und näher, aber meinen Kameraden schien das überhaupt nicht zu stören. Als die rebenbestandenen Hänge links und rechts von uns über die Tragflächen hinauswuchsen und sich ein unwohles Gefühl bei mir breit zu machen begann, erwachte der Motor unserer Cessna endlich zum Leben und zog uns wieder in sichere Höhen.

Ein anderer (gut betuchter) Fliegerkamerad hatte sich den Traum vom eigenen Flugzeug erfüllt. Seine viersitzige Morane war ein äusserst gutmütiger Flieger, mit dem man schon einiges falsch machen musste, um herunter zu fallen. Mit den automatisch ausfahrenden auftriebserhöhenden Vorflügeln an den Flächenvorderkanten waren kurze Start- und Landestrecken und beeindruckender Langsamflug möglich. Das wollte demonstriert werden. Mit seinem Vater, mir und einem weiteren Mitglied unserer Fluggruppe nahmen wir in der Morane Platz. Nach einem längeren Flug vom Flughafen Köln-Bonn breitete sich topfebenes Ackerland westlich von Köln unter uns aus. Da gingen wir plötzlich in den Sinkflug über und steuerten auf die Längsfurchen eines Ackers zu. Was macht denn der - dachte ich noch, als wir bereits im Acker aufsetzten und die Erdklumpen gegen das Leitwerk prasselten. Dann Vollgas - und die Morane erhob sich brav aus der braunen Erde und ging wieder in den Steigflug über. Ich konnte nur noch den Kopf schütteln und war heilfroh, dass dieses wirklich haarige Manöver gut gegangen war.

Der Flugplatz Frechen bei Köln, inmitten eines Braunkohleabbaugebietes gelegen, auf dem ich einige Male als Segelflieger zu Gast war, glich mit der Zeit einem Flugzeugträger. Rundum frassen sich die riesigen Bagger immer näher an den Platz heran, bis der Flugbetrieb dort schliesslich zum Erliegen kam. Eines Tages fragte mich der Pilot einer knallgelben Piper PA 18, ob ich mit ihm eine Runde fliegen wolle. Natürlich wollte ich. Ich nahm auf dem hinteren Sitz Platz und los ging es. Nach dem Abheben huschte auch schon der Rand der riesigen Grube unter uns hindurch. Statt zu steigen, tauchten wir zu meinem grössten Erstaunen in das weite Abbaugebiet hinab und drehten dort unten Runde um Runde - immer einem riesigen Bagger am Rand ausweichend. Die kleine Piper liess sich auch in diesem völlig ungewöhnlichen Luftraum klaglos manöverieren. Harmlos war das aber sicher nicht. Und so atmete ich auf, als wir nach kurzem Steigflug wieder über die Hangkante wischten und nach der obligatorischen Platzrunde sicher landeten.

Diese fliegerischen Flegeljahre sind längst Geschichte. Heute würde ich an solchen Raids, die nicht nur die Lizenz sondern darüber hinaus Kopf und Kragen kosten könnten, ganz sicher nicht mehr teilnehmen.



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