Crash in den Alpen - Business as usual?

Hier geht es um das Thema Sportflugzeuge aller Typen der E-Klasse

Moderator: aerotimmi

swisseagle
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Crash in den Alpen - Business as usual?

Beitragvon swisseagle » 26.07.2020 16:44

Nun ist es wieder einmal geschehen - wie seit Jahrzehnten in Folge: Eine Cessna 172 mit vier Insassen stürzt auf rund 3000 m MSL oberhalb des Schweizer Lötschentales ab und brennt nach dem Aufschlag aus. Pilot und Passagiere überleben den Crash nicht.
Noch ist die Unfallursache eine Angelegenheit der SUST (schweizerische Umfalluntersuchungsstelle). Die Spekulationen und Kommentare zu diesem schweren Unfall schiessen jedoch in einschlägigen Foren bereits ins Kraut. Pilotenfehler, ein technisches Problem, medizinische Ursachen - noch ist das unklar.
Eines ist jedoch klar: Fliegen im Gebirge ist eine anspruchsvolle Angelegenheit. Reduzierte Motorleistung in grossen Höhen, Sauerstoffmangel bei Piloten und Fluggästen, schnelle Wetterwechsel, teils starke Auf- und Abwinde sowie ein schwieriges und gefährliches Terrain, wenn man falsch navigiert, eine Umkehrkurve in engen Tälern oder sogar eine Notlandung erforderlich wird.
Seit Jahrzehnten fliege ich vorwiegend in Bergregionen, nur bei schönem Wetter mit einem Reisemotorsegler und nicht mit einer voll beladenen Cessna, Piper oder ähnlichem. Das hat bisher immer problemlos funktioniert. Früher mit dem Scheibe-Falken bis auf maximal 4'200 m MSL (ohne künstlichen Sauerstoff), heute mit dem Rotax-Falken oder der Dimona bescheidener auf runde 3000 Meter MSL. Die 80 PS der Rotax-Motoren bieten ausreichende Leistung für Höhenflüge und die grosse Spannweite mit relativ geringer Flächenbelastung gewähren einen sicheren Gleitwinkel, falls der Motor einmal seinen Geist aufgeben sollte (während rund fünfzig Jahren noch nie erlebt). Schon wiederholt hatte ich an der Eiger-Nordwand auf über 3000 m MSL den Motor des Scheibe-Falken abgestellt und war dann gemütlich und kontinuierlich sinkend bis nach Luzern gesegelt, worauf ich den Motor wieder gestartet hatte. Die Motorsegler sind sehr wendig und höhentauglich, so dass auch in Tälern auf engem Raum gewendet werden kann. Wichtig für die Gebirgsfliegerei ist, sich immer einen Weg ins Tal offen zu halten, Passhöhen nie im Steigflug sondern immer aus einer satten Ueberhöhung und im spitzen Winkel (Möglichkeit des Abdrehens) anzufliegen, höhere Windgeschwindigkeiten oder Föhn mit erheblichen Turbulenzen zu meiden und eine grosszügige Treibstoffreserve mitzuführen. Dies sind nur einige der zu beachtenden Punkte.
Es ist bedenklich, ohne dem Untersuchungsergebnis des aktuellen Unfalles vorgreifen zu wollen, dass immer wieder die gleichen oder ähnliche Crashs in den Bergen geschehen. Vielleicht würde etwas mehr Buschpilotenmentalität - heisst sein Flugzeug und seine Leistungen nebst Eigenschaften - genau zu kennen und zu beherrschen (wie ein guter Reiter sein Pferd) zu viel mehr Sicherheit beitragen würden. Wenn ich in meiner abonnierten Luftfahrtzeitschrift die regelmässigen Umfallberichte lese, muss ich nur noch den Kopf schütteln, mit welcher Nachlässigkeit und Ignoranz zum Teil immer noch geflogen wird. :(
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