Nostalgie: Köln-Bonn-Berlin-Tempelhof

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swisseagle
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Nostalgie: Köln-Bonn-Berlin-Tempelhof

Beitragvon swisseagle » 12.04.2019 23:24

Als ich von der Schliessung des geschichtsträchtigen Stadtflughafens Berlin-Tempelhof hörte, hatte mich das irgendwie schmerzlich berührt. Die damalige Luftbrücke zur Versorgung der Stadt während der sowjetischen Blockade kurz nach dem zweiten Weltkrieg ist unvergessen. Diese Luftfahrtoase inmitten des Häusermeeres von Berlin mit den halbkreisförmigen Flughafengebäuden, unter deren Ueberdachung die Verkehrs- und Frachtmaschinen, relativ gut geschützt vom Wetter, geparkt waren, ebenfalls.

In der zweiten Hälfte der Sechzigerjahre flog ich um die Weihnachtszeit besuchshalber für zwei Tage zum ersten und letzten Mal nach Berlin-Tempelhof. Damals bediente PanAm, British European Airways und Air France von verschiedenen Flughäfen der Bundesrepublik aus Berlin-Tempelhof, die Insel inmitten der sozialistischen DDR. Die Flüge nach Berlin waren von der deutschen Bundesregierung subventioniert. Wenn ich mich richtig erinnere, kostete ein Hin- und Rückflug ca. DM 150.--, damals bereits durchaus erschwinglich.
An einem grauen Weihnachtstag begab ich mich morgens auf dem Flughafen Köln-Bonn an Bord einer Boeing 727 der PanAm. Nach dem Start durchstiegen wir die zähe Hochnebeldecke und tauchten in strahlenden Sonnenschein. Die Flugbegleiterinnen servierten Kaffee und frische Hörnchen mit Butter und Marmelade. Ein echter Frühstücksgenuss. Der Flug verlief ruhig wie auf Schienen und nach einiger Zeit klarte das Wetter auch unterhalb unseres Fliegers auf. Der Ueberflug über die DDR-Grenze war deutlich daran zu erkennen, dass plötzlich überall Züge mit Dampfloks verkehrten, deren Rauchfahnen weithin zu sehen waren. Im Westen befanden sich dagegen bereits unsichtbare Elektro- und Dieselloks im Einsatz.

Landeanflug auf Berlin-Tempelhof. Im Endanflug rauschten wir hautnah über und an mächtigen Häuserblocks vorbei, bis die 727 mit ihrem ganzen Arsenal an ausgefahrenen Klappensystemen mit moderater Geschwindigkeit aufsetzte, die Schubumkehr aktivierte und kurz darauf von der relativ kurzen Piste in Richtung des überdachten Empfangsgebäudes abrollte. Ein wirklich beeindruckendes Szenario. Bis heute staune ich darüber, wie klaglos die Anwohner dieses Stadtflughafens die Donnervögel ertrugen, die ständig über ihren Köpfen an- und abflogen. Heute wird bereits lauthals gezetert, wenn ein Motorsegler im Anflug auf einen Sportflugplatz die Platzrunde nicht auf fast 50 Meter genau einhält.

Nach zwei interessanten Tagen in Berlin flog ich abends mit einer viermotorigen Turboprop vom Typ Vickers Viscount der BEA nach Köln-Bonn zurück. Die ungewöhnlich grossen runden Fenster der Viscount gewährten einen interessanten Blick auf
die überlangen Motorengondeln, über die man sich als Nicht-Ingenieur wunderte, dass diese den Vibrationen der kraftvollen Propellerturbinen standhielten, ohne durch Materialermüdung eines Tages wegzubrechen.
Dateianhänge
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PANAM Boeing 727 - Berlin (Symbolbild)
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BEA Vickers Viscount (Symbolbild)
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