Zürich-Kloten: Fataler Fehlanflug

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swisseagle
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Zürich-Kloten: Fataler Fehlanflug

Beitragvon swisseagle » 26.05.2019 22:09

In der Luftfahrt genügen oft schon kleine Fehler, um eine Katastrophe auszulösen. So auch am 18. Januar 1971 beim Anflug eines bulgarischen Passagierflugzeuges vom Typ Ilyushin Il 18 D auf den Flughafen Zürich Kloten. Der Linienflug der Balkan-Bulgarian-Airline sollte von Paris Le Bourget via Zürich-Kloten nach Sofia führen. An Bord der viermotorigen Turbopropmaschine waren 8 Besatzungsmitglieder und 39 Passagiere.
An dem trüben Wintertag mit Schneeschauern und marginaler Pistensicht von ca. 1000 Metern setzte die Ilyushin bei allmählichem Eindunkeln von Norden her zum Anflug auf die Blindlandepiste des Flughafens Zürich-Kloten an. Bis kurz vor der Landung verlief der Anflug normal. Dann stellte die Besatzung beim Auftauchen der Landebahnbefeuerung plötzlich fest, dass sich das Flugzeug nicht exakt auf dem ILS-Leitstrahl, sondern etwas rechts versetzt zu diesem befand. Das Gelände vor der Piste steigt leicht gegen die Anflugrichtung an, was zu der optischen Täuschung - speziell bei schlechten Sichtbedingungen - führen kann, dass sich das Flugzeug höher als tatsächlich vor dem Pistenanfang befinde. Die bulgarische Il 18 flog neben der seitlichen Versetzung zum ILS-Leitstrahl auch noch etwas unterhalb von diesem.
Als die Cockpitbesatzung die seitliche Abweichung bemerkte, versuchte der Kapitän, mit einer korrigierenden Steuerbewegung nach links die Maschine wieder auf die Mitte der Landepiste auszurichten. Dabei wähnte er sich aufgrund der schlechten Sicht und des leicht abfallenden Geländes höher, als er tatsächlich kurz vor der Landebahnschwelle war.
Als sich die schwere viermotorige Turboprop um die Längsachse leicht nach links neigte, berührte die linke Tragflächenpitze und das linke Fahrwerk unmittelbar vor dem Flughafengelände ein schneebedecktes Feld, worauf sich das Flugzeug überschlug, über eine kreuzende Autostrasse schlitterte, in Flammen aufging und vollständig ausbrannte.
Von den 8 Crewmitgliedern überlebte nur der Kapitän mit leichten Verletzungen (ihm wurde ein Ohr abgetrennt) sowie einer der 39 Fluggäste. Diese Katastrophe war eine der schwersten in der Schweizer Luftfahrtgeschichte. Ausgelöst wurde sie durch die Verkettung von schlechten Wetterverhältnissen, räumlicher Desorientierung und Fehlern der Cockpitbesatzung.
Dateianhänge
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Ilyushin IL 18 (Symbolbild)
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