Horrorflug Lugano - Zürich

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swisseagle
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Horrorflug Lugano - Zürich

Beitragvon swisseagle » 19.08.2019 22:35

Das Tessin, die Sonnenstube der Schweiz, war nicht immer so gut zu erreichen wie heute. Die Fahrt mit der Bahn dauert seit der Eröffnung des neuen Gotthard-Basistunnels statt rund 3 1/2 Stunden nur noch 2 1/2 Stunden. Das ist gegenüber den ständigen, oft stundenlangen Staus auf der Gotthard-Autobahn und sogar gegenüber der Prozedur mit dem Flugzeug (An- und Abfahrten zu und von den Flughäfen, Sicherheitskontrollen etc.) die wohl schnellste und komfortabelste Variante, speziell mit dem preiswerten Halbtaxabo in der 1. Klasse.

Anfang der Neunzigerjahre war das Flugzeug, z.B. für einen Wochenendaufenthalt im Tessin, noch eine überlegenswerte Alternative. Schnell hin, schnell zurück. Ein geschäftlicher Ausflug führte mich mit meiner Gattin damals zwei Tage nach Lugano. Der Rückflug mit einer zweimotorigen Turboprop vom Typ Fokker F 50 der Schweizer Crossair startete bei strahlendem Sonnenschein und wolkenlosem Himmel Richtung Norden über die Alpen. Nördlich der Alpen war sehr schlechtes Wetter mit einem Sturmtief angesagt, was man in der ersten Phase der Fluges kaum glauben konnte.

Bereits über den Bergen zog sich der Himmel zu und ein Gerüttel begann, das immer schlimmer wurde, je weiter wir in nördliche Richtung flogen. Dann begann der Sinkflug Richtung Flughafen Zürich. Die Turbulenzen beutelten unsere Fokker, dass viele Passagiere schreckensbleich in ihren Guten hingen und sich zum Teil übergaben. Bei dem Sturm aus Westen mit extremen Böen war an einen üblichen Anflug auf die Nord-Süd Piste des Flughafens nicht zu denken. So flog die Besatzung zuerst nach Norden gegen die deutsche Grenze, drehte dann nach Osten und anschliessend nach Süden, um den Endanflug auf die Ost-West-Piste von Zürich einzuleiten. Das Flugzeug wurde dabei in alle Richtungen geschleudert. Nicht nur vertikal ging es wie in einer Achterbahn hinauf und hinunter, auch schwere seitliche Turbulenzen rissen die Fokker hin- und her. So ein Schauspiel hatte ich noch nie erlebt.
Wir sassen in der Mitte des Flugzeuges unterhalb der Motorengondeln. Uns gegenüber war eine dienstfreie Besatzung platziert, die immer nervöser und sichtlich genervt auf diesen Höllentanz reagierte. Als wir im Final über die bewaldeten Hügel im Osten des Flughafens mehr torkelnd als fliegend immer tiefer sanken, zogen plötzlich die seitlichen roten Hindernislampen an den letzten Hügelausläufern vorbei. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt wirklich das Gefühl, dass es gleich krachen müsse. Dann klatschte die Maschine im wahrsten Sinne des Wortes wie ein nasser Sack auf die Piste und stand nach extrem kurzer Rollstrecke. Anschliessend wendete sie und rollte zurück zum Empfangsgebäude. Die Durchsage des Kapitäns war alles andere als entspannend, aber ehrlich. Er teilte uns Passagieren mit, dass er und sein Copilot sehr erleichtert seien, bei den äusserst schwierigen Bedingungen die Landung geschafft zu haben. Auch mir war es bei diesem Anflug, obwohl ich bereits damals fliegerisch einiges gewohnt war, äusserst mulmig geworden. Als ich auf der Heimfahrt entwurzelte Bäume, abgerissene und in die Felder geschleuderte Verkehrsschilder etc. sah, war ich noch mehr froh, dass ich mit meiner Gattin heil in Zürich angekommen war.
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Crossair Fokker F 50 (Symbolbild)
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