Die Mär vom zu teuren Fliegen

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Moderator: aerotimmi

swisseagle
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Die Mär vom zu teuren Fliegen

Beitragvon swisseagle » 08.05.2019 22:41

Ich kann es schon lange nicht mehr hören: Sobald ich mich über meinen Flugsport oute, werde ich imagemässig einer Gesellschaftsschicht zugeordnet, die nur aus dem Vollen schöpfen kann und der die gebratenen Tauben in den Mund fliegen. Leider eine Sichtweise, die jenseits aller Realität liegt.
Mit ca. 16 Jahren hatte ich mit dem Modellflug und mit 19 Jahren mit dem Segelfliegen begonnen. Wenn Kollegen den Auto- oder Motorradführerschein und anschliessend ein entsprechendes Fahrzeug erwarben, hatte ich auf diese jugendlichen Statussymbole verzichtet und jede Mark für die Finanzierung meines Flugsportes beiseite gelegt. Auch das Rauchen oder der ebenfalls als jugendliches Statussymbol geltende oft ausschweifende Alkoholgenuss war für mich nie eine Option.
Heute habe ich 75 Lenze bei bester Gesundheit überschritten und erfreue mich nach wie vor regelmässiger fliegerischer Aktivitäten, die mir unveränderten Spass bereiten.
Sicher, die Fliegerei - speziell die motorisierte - ist nicht ganz billig. Im Segelflugverein war der finanzielle Aufwand so bescheiden, dass er mit entsprechendem zeitlichen Engagement und Fronarbeit in der Werkstatt selbst für einen Schüler oder Lehrling durchaus erschwinglich war. Vorausgesetzt, man brachte die entsprechende Begeisterung und die Bereitschaft mit, auf manche andere, vorwiegend dem persönlichen Prestige und Luxus dienenden Dinge zu verzichten.

Seit vielen Jahren chartere ich meine Flugzeuge (Motorsegler). Eine äusserst attraktive und relativ kostengünstige Variante, da die fixen Kosten, wie Wartung, Versicherungen, Hangarierung, technische Nachprüfungen etc. auf die Nutzer der Fluggeräte verteilt werden. Jedes Flugzeug kann bequem von zu Hause aus über Internet für den gewünschten Zeitraum reserviert werden und steht dann ohne Wenn und Aber für den geplanten Flug zur Verfügung. Der einzige persönliche Aufwand: Den Flieger gegebenenfalls aus dem Hangar zu ziehen, aufzutanken und zu checken. Am Monatsende erhält man dann die Rechnung des Vercharterers und hat mit allen anderen Umtrieben nichts zu tun.
Der zeitliche Aufwand, gerade wenn man Beruf und Familie nicht vernachlässigen will, ist gegenüber dem reinen Segelflugsport, der ein Teamsport ist, sehr viel geringer. Man fährt zum Flugplatz, fliegt eine, zwei oder drei Stunden und ist anschliessend wieder für andere Aktivitäten frei. Ich hätte mit dem finanziellen Aufwand, für den ich, wenn ich jede Mark, jeden Franken oder jeden Euro meiner jahrzehntelangen Fliegerei addiere, eines oder mehrere sündhaft teure Statussymbole erwerben können. Ich habe diesen Aufwand jedoch niemals auch nur ansatzweise bereut. Mir ist es nie schlecht gegangen und es geht mir auch heute nicht schlecht. Prestige, Status oder ähnliches hatte mich noch nie interessiert. Umso grösseren Wert habe immer auf eine echte Lebensqualität, wie u.a. mein fliegerisches Hobby gelegt.

Wenn man sich dem heutigen Konsumterror, von dem man praktisch täglich überschwemmt wird, rigoros verwehrt und sich diesbezüglich zurückhaltender und bescheidener gibt, dann ist die Fliegerei, die so unendlich viele schöne Erlebnisse, Abwechslung und Spass generiert, nie und nimmer ein Luxus, den man sich nicht leisten kann und sollte. :idea:



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