BZF in Reutlingen

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Dani
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BZF in Reutlingen

Beitragvon Dani » 06.03.2017 16:55

Hallo Zusammen,

ich war vergangene Woche in Reutlingen um dort meine BZF I Prüfung, sowie die Sprachprüfung Level 4 abzulegen und erzähle euch hier ein bisschen was zum Ablauf.

Vor Ort waren schätzungsweise 15-20 Prüflinge, wobei der Großteil aus Segelfliegern, die vor allem die BZF II (deutsch) Prüfung machten bestand.

Theorie (100 Fragen des Fragenkatalogs)

Los ging es morgens um 09:00 Uhr mit der theoretischen Prüfung aus dem Fragenkatalog. Hier bekam jeder Teilnehmer einen A4 Ordner mit jeweils 100 Fragen und einen dazugehörigen Antwortbogen ausgehändigt. Hier mussten mindestens 75 der 100 Fragen durch Ankreuzen richtig beantwortet werden.

Vorbereitet hatte ich mich mit EXAM von Peters Software und dem Fragenkatalog „Flugfunk (2015)“. Bis auf eine der insgesamt 100 Fragen in der Prüfung kamen mir alle bekannt vor, nur die Antworten waren bei wenigen Fragen ein wenig „abgekürzt“.

Sprechprüfung für BZF II

Nun wurden die Prüflinge in Sprechgruppen nach BZF II und BZF I aufgeteilt (jeweils 4-6 Personen). Zuerst wurden alle BZF II Prüflinge geprüft was für die Mitstreiter des BZF I und mich eine relativ lange Wartezeit zur Folge hatte. Jede Gruppe war ca. 30min im Prüfungsraum und wurde danach herausgebeten, damit sich die beiden Prüfer besprechen konnten. Nach kurzer Zeit ging es dann für die Gruppe wieder in den Prüfungsraum und es fand ein kurzes „Debriefing“ mit Mitteilung des Ergebnisses statt. Ab hier waren die BZF II Prüflinge nun entlassen.

Übersetzung Englisch Text für BZF I

Nachdem die BZF II Prüflinge durch waren, wurden alle BZF I Prüflinge zunächst einzeln in den Prüfungsraum gebeten, um einen der 50 Englischtexte vorzulesen und zu übersetzen. Es saßen zwei Prüfer im Raum (eine Dame von der Bundesnetzagentur, sowie ein Controller der DFS). Man bekam einen Text vor die Nase gelegt und musste diesen zunächst möglichst flüssig und mit korrekter Aussprache vorlesen und im Anschluss übersetzen. Hierbei sollten vor allem Schlüsselwörter „wörtlich“ übersetzt werden. Besonderen Wert wird wohl darauf gelegt zu wissen, was Abkürzungen und Begriffe wie ATC Unit, Pre-Flight-Information, AIS etc. bedeuten.

Ich habe mich ein paar Tage recht intensiv mit den 50 Texten beschäftigt und mir eine Vokabelsammlung mit den Wörtern, die ich nicht wusste erstellt und diese immer wieder gelernt. So wie ich es gesehen habe, hat jeder Prüfling 1zu1 einen dieser Texte bekommen, welche bei Fluglehrerteam zum Üben zur Verfügung gestellt werden. Hier passieren also eher keine Überraschungen und man weiß recht genau, was einen erwartet.

Auch kam zu Beginn die beruhigende Ansage, dass ich bei längeren, verschachtelten Sätzen nicht nervös werden solle, sondern einfach Nebensatz für Nebensatz drauf los übersetzen soll und dann sehe man weiter – eine sehr faire Ansage in Anbetracht mancher extrem verschachtelten Sätze, die es da so gibt.

Diesen Part der Prüfung sollte man nicht unterschätzen. Die Prüfer helfen zwar, wenn es bei einem Wort mal hakt, dennoch gab es Prüflinge, für welche die Prüfung hier bereits zu Ende war.

Sprachprüfung BZF I

In meiner Gruppe waren 4 Prüflinge im Raum. Alle bekamen einen Flug von Nürnberg (EDDN) nach Stuttgart (EDDS). Es wurden jedem Prüfling vorab die Pflichtmeldepunkte genannt, nach denen dieser die CTR verlassen/einfliegen soll. Bei mir ging es in Nürnberg raus über November und in Stuttgart rein über Sierra. Pisten waren vorab nicht bekannt, diese gab's erst nach dem Einleitungsanruf. Zudem bekamen alle auch eine andere Mischung aus Abflug/Anflug in Deutsch oder Englisch. Bei mir war Abflug Deutsch, Anflug Englisch.

Abflug:

Los ging es wie üblich an der Nürnberg Rollkontrolle mit Standard Einleitungsanruf und rollen zum Rollhalt. Interessant war, dass ich erst beim Melden von Abflugbereit Piste 28 via (N), die Anweisung bekam, mich bei Nürnberg Turm zu melden. Dort habe ich mich dann nochmals Abflugbereit am Rollhalt Piste 28 via (N) gemeldet. Daraufhin kam direkt die Startfreigabe (ohne Line up) mit Start Frei, Wind, QNH, Rechtskurve genehmigt und melden sie November. Wichtig hier gibt es in Reutlingen einen Fehlerpunkt, wenn man das Wort „melde“ verwendet beim Zurücklesen. Richtige Meldung musste also lauten „D-EABC, Piste 28 Start Frei, Wind 270 Grad 12 Knoten, QNH 998, Rechtskurve genehmigt, WILCO.“ Würde man anstatt WILCO sagen „melde November“ würde das ggf. für Verwirrung beim Controller sorgen, weil dieser dann evtl. der Meinung ist, man befände sich jetzt im Moment schon über November. Ansonsten verlief alles normal. Kein Sonder-VFR oder sonstige Späßchen. Nicht mal einen SQWAK hat es gegeben.

Anflug:

Beim Anflug auf Stuttgart über Sierra wie gewohnt den Einleitungsanruf gemacht und keine Sonder-VFR bekommen. Dafür teils recht fiese aneinandergereihte Verkehrshinweise mit „Caution of jet blast, Caution of traffic 12 o’clock position, caution of wake turbulences etc.“ (immer jeweils mit gängigen Flugzeugtypen). Auf den Teil „Sqwak VFR & Information B received“ im Einleitungsanruf könne man in Reutlingen wohl verzichten. Ich habe es aber trotzdem gemacht und es hat niemandem weh getan. Als QNH gabs „triple niner“ (999) – hatte ich so noch nie gehört.

Kurz nach Überflug Sierra wurde auch nochmal nach dem Steuerkurs gefragt. Diesen hat sich der Controller dann auch nochmals bestätigen lassen (wohl um zu sehen, ob man sich aus dem Konzept bringen lässt, oder sich seiner Sache sicher ist).

Nach dem Einflug über Sierra und vielen Flugzeugen, nach denen ich Ausschau halten musste, kam dann die Freigabe für right downwind RWY 07. Also kein kreuzen der Piste oder sonstige Arien notwendig. Verblüffend war hier, dass ab hier praktisch niemand mehr etwas gemeldet hatte. Das heißt vom Gegenanflug bis zur endgültigen Parkposition gab es nur noch Anweisungen vom Controller, die man zurück lesen musste. Wie im echten Leben eben. :lol: Im Gegenanflug gabe es noch einen Verkehrshinweis mit "B737 in Long Final, 2Miles, Report Traffic in sight" - und auch hier wieder so Zurücklesen: "B737 in Long Final, 2Miles, WILCO".

Auch unsere Gruppe wurde im Anschluss kurz aus dem Raum geschickt, und durfte nach kurzer Beratung zum Debriefing wieder rein kommen Hier wurden nochmals die eigenen Fehler aufgezeigt und besprochen. In meiner Gruppe hatten alle die Prüfung bestanden.

Die Sprechgeschwindigkeit des Prüfers würde ich als Mittelmaß und realitätsnah bezeichnen. Eine Reihenfolge beim Sprechen gab es nicht. Hier musste also Funkdisziplin gewahrt werden und jeder sich einen passenden Zeitpunkt zum funken suchen. Direktes ansprechen mit Anweisungen kam dabei recht oft vor, sodass man immer konzentriert bleiben musste, wer denn jetzt grade genannt wurde. Vor allem wenn jemand länger nichts mehr von sich hören hat lassen, kam direkt eine Anweisung.

Was noch interessant ist, es kann passieren, dass einem z.B. beim Einflug in die CTR zusätzlich die Information „CTR is I.M.C. (IndiaMikeCharly)“ gegeben wird. Hierbei muss man dann explizit eine Sonder-VFR „erbitten“. D.h. man bekommt diese nicht automatisch! Kam bei unsrer Gruppe aber nicht vor...

Level 4 Sprachtest

Ich konnte an diesem Tag auch den Level 4 Sprachtest im Anschluss an das BZF I machen. Diesen muss man in meinem Fall alle 4 Jahre erneuern.

Ablauf:

-Es werden 10 Texte zum Hörverständnis aus verschiedensten Flugsituationen abgespielt (2x). Z.b. Pilot gerät in Vereisungsbedingungen und fragt bei ATC eine andere Flugfläche an. Im Anschluss muss man aus vier antworten, die sich auf den vorangegangenen Fall beziehen die richtige ankreuzen. Einige Antworten kann man sogar schon ausschließen ohne den Text überhaupt gehört zu haben :roll: . Hier muss man sagen, dass die Texte sehr langsam und deutlich gesprochen werden und auch inhaltlich recht leicht zu verstehen sind.

-Im Anschluss daran werden noch zwei ATIS vorgespielt (je 2x). Hierzu bekommt man einen Lückentext, worin man fehlende Werte (z.B. QNH, WIND, Temperatur…) mit dem gehörten ergänzen muss.

-Zuletzt darf jeder Prüfling einzeln in den Raum und sich mit den Prüfern über ein Foto, dass auf dem Tisch liegt unterhalten. Bei mir waren das zwei Flugzeuge in einer Kunstflugformation. Das Ganze ging gefühlt ca. 10min.

Für die ersten beiden Punkte in der Auflistung gibt es 12 Punkte, wovon man 9 erreichen muss um weiter zu kommen (sofern ich mich richtig erinnere). Insgesamt würde ich sagen, dass man bei Level 4 mit ein bisschen besserem Schulenglisch recht weit kommen kann. Es kann aber sicher nicht schaden, wenn hier ein paar in der Fliegerei gängige Begriffe wie „Bugrad, Flügel, Höhenruder, Abgasstrahl, Wirbelschleppen, Höhenmesser, Kurve, Steigen, Sinken, etc. “ auf Englisch abrufbar sind.

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Abschließend habe ich die Bundesnetzagentur Reutlingen als sehr fairen und menschlichen Prüfungsort empfunden. Auch hier wird einem natürlich nichts geschenkt, aber wer sich einigermaßen vernünftig vorbereitet, muss keine Angst vor irgendwelchen bösen Fallen oder anderen Gemeinheiten haben. Die Ausbildung hierfür bei Fluglehrerteam hätte besser nicht sein können und voll ins Schwarze getroffen. Von daher nochmal ein großes Lob an alle! Mein Dank gebührt vor allem auch Timmi, mit dem ich kurz vor der Prüfung nochmal zwei sehr effektive Einzelstunden durchgezogen habe.

Viele Grüße,
Daniel



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