Fliegerhorst Landsberg/Penzing

Rund um die Flugplätze und Flughäfen in Deutschland

Moderator: aerotimmi

swisseagle
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Fliegerhorst Landsberg/Penzing

Beitragvon swisseagle » 23.11.2019 22:35

Während eines Flugtages in der zweiten Hälfte der Fünfzigerjahre auf dem Fliegerhorst Landsberg/Penzing, auf dem ich auch etwas später meine Segelflug-Grundausbildung absolviert hatte, erhielten wir ganz "dicken" Besuch: Eine Douglas C-124 "Globemaster" der US-Airforce, ein wahres Ungetüm, schwebte ein und liess uns Besucher nur noch staunen. Wie konnte sich ein solcher "Brocken" nur in der Luft halten?
Boeing Ingenieure sollen einmal berechnet haben, dass eine Hummel eigentlich nicht fliegen könne: Zu grosser Körper - zu kleine Flügel. Und trotzdem fliegt die Hummel - und zwar gar nicht schlecht. Gleich wird es wohl vielen Betrachtern ergangen sein, die den riesigen Rumpf der Globemaster in Relation zu den vergleichsweise kleinen Flügeln gesetzt hatten. Aber auch die Globemaster flog, allen aerodynamischen Zweifeln zum Trotz.
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C-124 "Globemaster" (eigene Aufnahme)
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swisseagle
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Re: Fliegerhorst Landsberg/Penzing

Beitragvon swisseagle » 19.12.2019 22:01

Wo gehobelt wird, da fallen Späne....

Nachdem die US-Airforce in den Fünfzigerjahren vom Fliegerhorst Landsberg/Penzing abgezogen war und diesen an die deutsche Bundesluftwaffe übergeben hatte, wurde dieser Platz zum Standort der Flugzeugführerschule A. Nach dem zweiten Weltkrieg konnten erstmals wieder deutsche Militärpiloten ausgebildet werden. Als Schulflugzeuge fanden betagte zweisitzige Trainer vom Typ Harvard Mark IV bzw. T 6 mit ihren 550 PS starken Sternmotoren und Zweibein-Einziehfahrwerk nebst Spornrad Verwendung. Diese bulligen Flieger fielen vor allem durch ihren knallgelben Anstrich und ein weithin dröhnendes Motorengeräusch auf.
Nach der Schule fuhr ich oftmals mit dem Fahrrad zur wenige Kilometer entfernten Startbahn, um mir den regen Schulbetrieb aus der Nähe anzusehen. Dort war immer Action geboten.
An einem sonnigen Nachmittag stand ich wieder einmal neben dem westlichen Ende der Piste und beobachtete den Schulbetrieb.
Eine T 6 kam auf dem Rollweg näher und stoppte gegenüber meiner Position. Die Cockpithaube wurde zurückgeschoben und der Fluglehrer kletterte vom hinteren Sitz auf die Tragfläche, um dem Flugschüler vorne noch einige Instruktionen für den offenbar ersten Alleinflug zu geben. Dann sprang der Lehrer vom Flügel, sein Schüler schloss die Haube und rollte zum Start.
Der Motor heulte auf, die T 6 beschleunigte und hob ab. Anschliessend Fahrwerk ein, Linkskurve, dann Gegenanflug, Fahrwerk raus, Queranflug und Endanflug. Alles sah absolut profimässig aus - bis kurz vor dem Aufsetzen. In wenigen Metern Höhe schien den Schüler etwas zu verunsichern - er gab Vollgas und startete durch. Sein Fluglehrer, der inzwischen im bereitstehenden Feuerwehrfahrzeug am Pistenkopf Platz genommen hatte, stieg aus, sprach in sein Funkgerät und beobachtete den zweiten Anflug seines Schützlings. Und wieder passte etwas nicht - erneutes Durchstarten mit Platzrunde. Nun schien der Instruktor nervös zu werden. Er lief, ständig in das Funkgerät sprechend, hin- und her.
Der Flugschüler schwebte zur dritten Landung ein, setzte auf und driftete von der Mitte zum linken Pistenrand. Dann korrigierte er mit dem Seitenruder (und wahrscheinlich auch noch mit den Radbremsen) scharf nach rechts, überrollte mit dem rechten Fahrwerk den Landebahnrand, wobei er eine Begrenzungslampe abrasierte. Das rechte Rad sank in den weichen Ackerboden, der gelbe Vogel ging mit einem mächtigen Knall auf die Nase und stand für einige Sekunden wie ein Erdmännchen senkrecht in der Landschaft. Dann kippte er langsam wieder nach hinten; Heck und Leitwerk krachten zu Boden. Puuuhhhh - ich stand fast zur Salzsäule erstarrt, als der Bruchpilot aus seinem Wrack kletterte. Die Feuerwehr war sofort zur Stelle - zum Glück brach aber kein Brand aus. Nur das erkaltende Metall des Motor gab knackende Laute von sich. Was wohl der Kommentar des Lehrers war und ob der Unglücksrabe jemals wieder in ein Cockpit stieg - ich weiss es nicht.
Wo gehobelt wird, das fallen Späne - und in den Anfangsjahren der deutschen Bundesluftwaffe wurde viel gehobelt - mit entsprechenden Spänen. :cry:
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T 6 Fliegerhorst Landsberg (eigene Aufnahme)
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