Ausfühlicher Bericht aus Bremen .Danke Marco / D-MBBB

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aerotimmi
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Ausfühlicher Bericht aus Bremen .Danke Marco / D-MBBB

Beitragvon aerotimmi » 07.10.2022 10:40

Hallo Timmi,
hier kommt mein Bericht von meiner BZF 1-Prüfung.
Datum: 23.09.2022
Ort: Bundesnetzagentur Bremen:
Vorsitzende: Frau Seeger; Beisitzer: Hr. Mensendieck
Prüfungsbeginn war um 10:30h.
Da die Parksituation in Flughafennähe schon im Schreiben zur prüfungszulassung als „schwierig“ beschrieben wurde, war ich bereits ca. 1h vor Prüfungsbeginn vor Ort und hatte aber Glück, in unmittelbarer Nähe des Eingangs eine kostenfreie Parkbucht am Straßenrand zu finden, die sich dort rechts und links der Fahrbahn befinden.
Wir waren 5 Prüflinge (3x BZF1 / 2x BZF2) und wurden ca. 5 Minuten vor dem Beginn Prüfung von Frau Seeger der Reihe nach im Warteraum aufgerufen, erhielten unsere Tischnummer und konnten dann in den Nebenraum gehen, in dem für jeden von uns ein nummerierter Tisch und der 2. Prüfer wartete.
Nach kurzer Begrüßung und Überprüfung der Personalien startete die Prüfung mit der Frage, ob sich jeder in der Lage befindet, diese Prüfung auch durchzuführen.
Diesem schloss sich nahtlos die recht bestimmt vorgetragene Erwartungshaltung des praktischen Prüfers, Hr. Mensendieck zum Ablauf der praktischen Prüfung an, mit der wir beginnen sollten:
• Parkposition: Allgemeine Luftfahrt
• Abflugpiste gibt es erst vom Turm
• Abflug in Deutsch
• Anflug in Englisch (für BZF1)
• keine ATIS
• kein Wind zurücklesen
• kein Einleitungsanruf bei TWR beim Abflug
• kein überflüssiges Gerede und Füllwörter-abkürzen, wo möglich!
Es gab drei Flughäfen: Bremen, Hannover Düsseldorf, wobei die Ab- und Anflüge bei jedem Prüfling unterschiedlich waren…
Wir erhielten daraufhin unser Kartenmaterial (Anflugkarten, Rollkarten und Notizzettel), aus dem hervor ging, dass ich von Bremen nach Düsseldorf fliegen musste.
Diesen Vorbereitungen schloss sich noch die Frage vom Prüfer an, welche zwei Zahlen es in der Luftfahrt nicht gibt, wobei er auf die „zwei“ und die englische „nine“ hinaus wollte…begleitet von dem Kommentar, dass diese Fehler im Nachhinein auch mit Liegestützen abgegolten werden könnten…
Schließlich sagte er noch, dass er keine Fallen einbauen wird und er uns nicht „auffressen wird“, wenn uns mal ein kleinerer Fehler unterlaufen sollte…„Konzentrieren, Weitermachen!“…hiess es!
1. Praktischer Teil: Funken:
Wir bekamen 10 Minuten Vorbereitungszeit, um die ausgegeben Karten zu studieren und unsere Vorbereitungen zu machen…wobei ich mir, wie immer die Pisten, Frequenzen, Max.-Höhen, Meldepunkte…und beim Anflug die mgl. Queranflug-Kurse auf den Notizzettel schrieb. Daneben noch die jeweiligen Einleitungs-Phrasen als „Eckpunkte“…
Danach ging es mit Tisch Nr. 1 los: Dieser war jedoch derart nervös, dass er zunächst den Tower ansprach und sofort Abflugbereitschaft meldete, woraufhin der Prüfer ihn bat, erstmal durchzuatmen, „das Gepäck in seinem Flugzeug nochmal richtig zu verstauen, weil er ja noch an der Parkposition und dies beim Losrollen nicht umherfliegt…“ und somit nochmal zu beginnen…eine nette Geste!
Als das zweite Mal dann auch nicht klappte und der Prüfer unterbrach, ging er wortlos aus dem Raum und war weg, so dass fuer ihn die Prüfung zu Ende war.
Uns wurde daraufhin nochmal 2 Minuten gegeben wurde, um uns neu zu konzentrieren und zu reflektieren, was dort gerade passiert war, obwohl dies anscheinend auch bei Nr. 2 die Aufregung hat steigen lassen, da er vom Landeflughafen starten wollte…

Ich war schließlich Nr.3 und die Kommunikation lief wie folgt:
Rollen:
P: Bremen Rollkontrolle, D-MBBB – Guten Morgen!
GND: D-MBBB, Bremen Rollkontrolle, Hallo!
P.: D-MBBB, ULAC, Parkposition Allgemeine Luftfahrt, VFR nach Düsseldorf über Whiskey, erbitte Rollen.
GND.: D-BB: Rollen Sie zum Rollhalt Papa, P27 über die Rollbahnen K, F, E; Wind; 280° / 16kt.; QNH: 1012.
P.: D-BB: Rolle zum Rollhalt P27 über die Rollbahnen K, F, E; QNH: 1012.
P.: D-BB: Halte am Rollhalt P27.
GND.: D-BB: Verstanden, melden Sie Sich bei Turm auf der Frequenz 120,330.
P.: D-BB: Melde mich bei Turm auf 120,330.
Abflug:
P.: Bremen Turm, D-MBBB
TWR: D-MBBB, Bremen Turm
P.: D-MBBB, abflugbereit am Rollhalt Papa, Piste 27 über Whiskey.
TWR: D-BB, Verlassen Sie die Kontrollzone über Whiskey, 2.000ft nach Sonder-VFR. Bestätigen Sie, wenn Bereit zum Mitschreiben.
D-BB: Bereit zum Mitschreiben.
TWR: D-BB, nach dem Abheben machen Sie eine Linkskurve, Steuerkurs 180. Bei Passieren 1.000ft Rechtskurve genehmigt, Steuerkurs 270. Bleiben Sie rechts der Autobahn und beachten Sie stark einfliegenden Verkehr auf Ihrer 10 Uhr-Position. Steigen Sie weiter auf 1.500ft bis Erreichen der Hochspannungsleitung, dann direkt Whiskey.
P.: D-BB, Nach dem Abheben Linkskurve, SK 180. Bei Passieren 1.000ft Rechtskurve genehmigt, SK 270. Bleibe rechts der Autobahn, beachte stark einfliegenden Verkehr auf meiner 10 Uhr-Position. Steige weiter auf 1.500ft bis Erreichen Hochspannungsleitung, dann direkt Whiskey.
TWR: D-BB, Zurücklesen korrekt, Nächste Meldung Passieren 800ft, Transponder 4402, Wind: 210°, 8kt, P27 Start frei.
P.: D-BB: Nächste Meldung Passieren 800ft, Squawk 4402, P.27, Start frei.
P.: D-BB: Passiere 800ft, SK180°.
TWR.: D-MBBB, verstanden, nächste Meldung bei Passieren 1.000ft.
P.: D-MBBB: Passiere 1.000, SK270°.
TWR.: D-MBBB, verstanden, nächste Meldung bei Erreichen Hochspanungsleitung.
P.: D-MBBB: Kreuze Hochspannungsleitung, 1.500ft.
TWR.: D-BB, verstanden, setzen Sie Ihren Abflug fort.
P.: D-BB, WILCO.
P.: D-BB, Whiskey, 2.000ft, erbitte Verlassen der Frequenz.
TWR.: D-BB, das Verlassen der Frequenz ist genehmigt, Transponder 7.000
P.: D-BB, das Verlassen der Frequenz ist genehmigt, Squawk VFR.
Anflug:
P.: Düsseldorf Tower, D-MBBB
TWR: D-MBBB, Düsseldorf Tower
P.: D-MBBB, ULAC, VFR from Bremen, niner minutes north off November, 2.400ft., squawk VFR, for landing.
TWR.: D-MBBB, Enter CTR via November, RWY in use 23r, QNH: 1010. Make a direct approach RWY 23r; caution: Heavy outbounding traffic, next report right downwind RWY 23r.
P.: D-MBBB, November 2.400ft.
TWR: D-BB, roger, proceed your approach.
P.: D-BB, right downwind RWY 23r.
TWR: D-BB, your heading, Sir?
P.: D-BB, heading 050°.
TWR: D-BB what will be your heading at right base RWY 23r?
P.: D-BB heading right base RWY 23r will be 140°.
TWR: D-BB break, break session closed.
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…damit war die praktische Prüfung zu Ende.
Ich habe versehentlich beim Abflug zuerst den Wind angefangen zurueckzulesen (war so drin, vom abendlichen Üben)…war aber kein Problem.
Neu/anders war für mich, dass man beim Abflug nicht gleich die Frequenz für deren Turm von der Rollkontrolle gesagt bekommt, sondern erst das Halten am Rollhalt (P27) melden sollte, dann die Frequenz bekommt…das habe ich aber von meiner Vorredner mitbekommen und entsprechend nachgemacht.
In der Prüfung wurde jeder zwischendurch mind. 1x gefragt, wo er sich gerade aufhält, es ist also hilfreich, wenn man sich in den Pausen auf der Karte die Sonder-VFR skizziert und dann nach einer Meldung abhakt, wo man ist, so dass man dann auch gleich die nächste Meldung vor Augen hat, um für mögliche Zwischenfragen gewappnet zu sein.
Meine Mitstreiter hatten z.T. Probleme Ihre Position anzugeben, einer hat häufiger Deutsch und Englisch gemischt und einige „Zweien“ kamen natürlich auch vor.
Der gravierendste Fehler war der Einflug in eine Kontrollzone in falscher Höhe, was in Kombination mit einem falschen Rufzeichen (Buchstabendreher) fast zum Durchfallen geführt hat.
Da der Prüfer aber der Meinung war, dass ihm das jetzt im Leben nicht mehr passieren wird, hat er ihn weitermachen lassen.
2. Englischtest:
Der nächste Prüfungsabschnitt war der Englischtest…also das Vorlesen und sinngemäße Übersetzen eines Textbeispiels aus dem Luftfahrthandbuch.
Dafuer wurden laminierte und nummerierte DIN A4-Blätter ausgegeben und man wir hatten 5 Minuten Zeit, den Text 2x zu lesen.
Der Prüfer sagte uns, dass wir anfangen sollen vorzulesen, bis er unterbricht.
Ich hatte das in unserem Lehrmaterial vorhandene Textbeispiel Nr. 79, in dem es um Flugverkehrskontrolle an kontrollierten Flugplätzen und deren Frequenzen in der Sichtflugkarte geht…
Musste von 4 Absätzen 2 vorlesen und 2 übersetzen.
Im Anschluss wurden jedem Prüfling noch 1-2 Fragen dazu gestellt…in meinem Fall, wie die Sichtflugkarte noch genannt wird (also ICAO-Karte), was ICAO bedeutet und in welchem Maßstab sie ist.
Dies war ein sehr dankbarer Text und auch die Fragen waren aus meiner Sicht einfach.
Andere Prüflinge hatten Texte mit vielen Abkürzungen, die evtl. nicht so geläufig sind, wie z.B. ATC, AIS, CVFR, FIS, TCAS, oder Transponder, der als „Sekundärradar Antwortgerät“ übersetzt werden sollte, kombiniert mit Fragen zu diesen Themen.
Ich habe mich zu Beginn zuerst gefragt, wie man dieses Kapitel am besten lernen soll… Für mich war dann jedoch hilfreich, die Textbeispiele einfach nur durchzulesen, sich dabei die ein- oder andere Vokabel herauszuschreiben…diese wiederholten sich dann zunehmend.
3. Theoretische Prüfung:
Der letzte Prüfungsteil war dann der Fragenkatalog…“multiple choice“…genau wie in der Übungssoftware, nur auf Papier.
Aus den bekannten 300 Fragen mussten 100 in maximal 60 Minuten beantwortet werden, wobei mindestens 75% (also max. 25 Fehler) zulässig waren.
Dies war der am besten planbare Teil der Prüfung, den aus meiner Sicht jeder, der sich damit einige Male auseinandergesetzt hat, bestehen wird…demzufolge waren auch alle verbleibenden 4 Prüflinge in ca. 30-40 Minuten fertig.
Diesen Prüfungsteil hat Frau Seeger ausgewertet, einem innerhalb von 5 Minuten das Ergebnis auf Papier mitgeteilt und daraufhin das jeweilige Sprechfunkzeugnis ausgehändigt.
Fazit:
Auch wenn die praktische Prüfung wahrscheinlich bei jedem nicht 100% identisch zum Training ablaufen wird, habe ich mich jederzeit sehr gut vorbereitet gefühlt.
Ich habe mir ca. 6,5 Monate Vorbereitungszeit genommen, wobei ich die letzten 3 Monate alle 4 Abende-im Wechsel Deutsch/Englisch dabei war.
Durch die Prüfung kommt man sicher schon „irgendwie“ nach wesentlich kürzerer Zeit- ich hatte aber das Ziel, die Themen wirklich verstehen und zu verinnerlichen zu wollen, so dass ich mir am Ende für alle Standardphrasen keine Notizen mehr machen muss, sondern z.B. jeweils nur ein Buchstabe reicht bzw. man nur noch mit den Fingern mitzählt, wie viele Teile man zurücklesen muss…
Das hat mir in der Prüfung zu jeder Zeit Sicherheit gegeben.
Mir hat besonders auch die Mischung der einzelnen Controller geholfen, wobei wahrscheinlich jeder zuerst Präferenzen entwickelt, weil man vielleicht einen Stil bevorzugt und man ja keine Fehler machen möchte!
Am Ende waren es-zumindest bei mir-doch wie immer genau diese, die mich weitergebracht haben und eher nicht die Abende, an denen man nur glatt durch geht.
Also immer auch vielleicht mal kritische Kommentare annehmen und weitermachen, da diese-selbstkritisch betrachtet bei mir dann doch manchmal doch an unzureichender Vorbereitung oder Unkonzentriertheit lagen.
Danke also Euch allen noch einmal an dieser Stelle für Eure individuelle Art und Euer Engagement, mir das am Anfang wie eine Fremdsprache klingende Funken beizubringen-es waren schöne Abende, wie ich auch weiterhin noch regelmäßig nutzen werde!
Beste Grüße,
Marco



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