Föhn - oft gar nicht schön........

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Moderator: aerotimmi

swisseagle
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Föhn - oft gar nicht schön........

Beitragvon swisseagle » 01.02.2019 18:13

Bei Flügen im Gebirge ist dem Wetter ganz besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Schnelle Wetterwechsel, Fall- und Scherwinde oder heftige Leeturbulenzen können immer wieder für böse Ueberraschungen sorgen. Die sorgfältige Abklärung des Flugwetters ist daher eine Voraussetzung, die nie vernachlässigt werden darf.
Föhnlagen verdienen ganz besondere Vorsicht. Die klare Fernsicht kann dazu verleiten, den manchmal kräftigen Winden über den Bergen, mit gefährlichen Leeturbulenzen bis in die Gebirgstäler, zu wenig Beachtung zu schenken. Oft ist der Föhn relativ harmlos und führt nur zu einem etwas unruhigeren Flug - ein andermal kann er jedoch sehr gefährlich werden.

Ein Föhnerlebnis der besonderen Art wurde mir auf einem Flug mit einem Motorsegler vom Typ Scheibe SF 25 "C-Falke" zuteil: Ich flog damals am Westufer des Zürichsee's Richtung Süden und wollte auf dem Flugplatz der Alpensegelflugschule Schänis eine Zwischenlandung einlegen. Es war zwar Föhnlage angesagt, jedoch ohne problematische Verhältnisse. Der Flug bis zum südlichen Ende des Zürichsee's verlief fast turbulenzfrei. Als ich dann jedoch auf der rechten Talseite in die Nähe von Schänis kam, ging plötzlich ein wahrer Höllentanz los. Extreme Leeturbulenzen schleuderten meinen Flieger hin- und her, herauf und herunter, dass mir fast Hören- und Sehen verging. Einmal hing ich in den Gurten, dann wieder wurde ich rabiat in den Sitz gedrückt. Der Fahrtmesser spielte völlig verrückt: Von fast Null sprang er bis über den grünen Bereich hinaus und dann wieder zurück. Das Flugzeug verhielt sich wie ein störrischer Esel, der kaum noch zu bändigen war. Rodeo - im wahrsten Sinne des Wortes. Den Steuerknüppel konnte ich nur noch rühren wie ein Aelpler seinen Klöppel im Butterfass. Meine beiden Beine wurden plötzlich von den Seitenruderpedalen gerissen und knallten gegen den unteren Rand des Instrumentenbrettes, was zwei nachhaltige blutige Schrammen hinterliess.

Schnell war mir die Gefährlichkeit der Situation bewusst und der Grund dafür auch. Mit Hängen und Würgen versuchte ich, vom Hang wegzukommen und zur Mitte des Tales zu fliegen. Mühsam konnte ich eine Kursänderung einleiten und allmählich den Turbulenzen entkommen. Die Lust zu einer Landung in Schänis war mir gründlich vergangen und ich machte mich auf den Heimflug Richtung Unterland. Nach kurzer Zeit wurde die Luft wieder ruhig als wäre nichts geschehen und die Landung auf meinem Heimatflugplatz war anschliessend busisness as usual. Dieser Flug war mir jedoch eine Warnung, wie tückisch speziell Föhnturbulenzen oder ganz allgemein höhere Windgeschwindigkeiten in den Bergen werden können.
Seit diesem Erlebnis checke ich die Wetterverhältnisse vor Gebirgsflügen besonders penibel. Wenn Föhn angesagt ist, bleibe ich im Umfeld des Flugplatzes oder fliege überhaupt nicht. Es ging mir wie jenem, der auszog, das Gruseln zu lernen... :o
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