Tödlicher Nebel.........

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swisseagle
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Tödlicher Nebel.........

Beitragvon swisseagle » 13.03.2019 19:42

Trotz modernster Technik - oder gerade deshalb - fallen auch heute noch Flugzeuge vom Himmel. Jüngstes Beispiel: Zwei Abstürze von Passagierjets Boeing 737 MAX innerhalb von wenigen Monaten mit hunderten von Toten.

Eine besonders tragische Flugzeugkatastrophe vom 04. September 1963, ist mir immer noch in nachhaltiger Erinnerung.
Am Morgen dieses frühen Septembertages herrschte auf dem Flughafen Zürich dichter Nebel. Für heutige Jets mit ihrer modernen Elektronik kein Problem mehr - damals jedoch ein ernstliches Hindernis für Starts und Landungen.

Eine SUD AVIATION SE-210 Caravelle III der damaligen SWISSAIR mit dem Kennzeichen HB-ICV, wurde um 7.00 h morgens für den Linienflug SR 306 nach Rom, mit Zwischenlandung in Genf, startklar gemacht. An Bord die sechsköpfige Besatzung, eine 43 Personen zählende landwirtschaftliche Reisegruppe aus dem schweizerischen Dorf Humlikon und weitere 25 reguläre Fluggäste. Für wohl fast alle Mitglieder der Reisegruppe war es der erste Flug mit einem Passagierjet und - furchtbar - auch der letzte. Die Landwirte und ihre Gattinen waren für den Flug bis Genf gebucht und wollten dort eine bäuerliche Ausstellung besuchen.

Um den zähen Nebel zu vertreiben und eine Gasse zu bilden, wandte die Cockpitbesatzung ein seinerzeit durchaus übliches Verfahren an. Die Caravelle wurde von einem Begleitfahrzeug zur Piste geführt und rollte diese ca. 1400 m entlang. Dort wendete sie und rollte zum Pistenkopf zurück. Dabei erhöhte der Kapitän den Schub der beiden Triebwerke und betätigte gleichzeitig die Radbremsen des Fahrwerkes, um die Maschine nicht zu schnell werden zu lassen. Die heissen Abgase bildeten tatsächlich für kurze Zeit eine Schneise über der nebelverhangenen Startbahn, so dass der Jet um 7.13 h starten konnte und in den Nebelbänken verschwand. Durch das Bremsen mit gleichzeitig erhöhtem Triebwerksschub hatten sich die Bremsbeläge so stark erhitzt, dass bei einem Rad des Fahrwerkes ein Teil des äusseren Felgenringes beim Wenden zum Start, von der Besatzung unbemerkt, wegbrach. Im Startlauf wurden dann Teile des beschädigten Fahrwerkes in den Fahrwerkschacht geschleudert und beschädigten dort Hydraulikleitungen. Nach dem Einfahren des Fahrwerkes tropfte hoch brennbare Hydraulikflüssigkeit auf die glühend heissen Bremsen und entzündete sich zu einem Vollbrand, der nicht nur verschiedene Leitungen sondern auch Steuerkabel zerstörte.

Inzwischen war die Caravelle über die Nebeldecke in einen klaren Morgen gestiegen und nahm Kurs auf das Funkfeuer Willisau westlich des Flughafens Zürich. Bereits sieben Minuten nach dem Start, das Flugzeug hatte gerade eine Höhe von 2'700 m erreicht, bahnte sich die Katastrophe an: Der Brand im Fahrwerksschacht hatte sich dramatisch ausgeweitet und auch auf den Rumpf übergegriffen. Die Piloten konnten noch den Notruf "Mayday, Mayday" absetzen und als sie die Aussichtslosigkeit der Situation erkannten, ein weiters "no more - no more". Dann verlor die Caravelle steuerlos und eine Feuer- und Rauchfahne hinter sich herziehend, immer schneller an Höhe und schlug mit hoher Geschwindigkeit in einem Acker beim Dorf Dürrenäsch, nahe dem Hallwiler See im Kanton Aargau, auf. Ein riesiger rauchender Krater, gefüllt mit kleinsten Teilen des zerschellten Jets und seiner Insassen, kündete von der damals schwersten Flugzeugkatastrophe der Schweiz. Das Unglück machte viele Kinder des Dorfes Humlikon zu Waisen, die entweder einen oder beide Elternteile verloren hatten. Dieses äusserst tragische Ereignis hat bis heute seine Spuren hinterlassen.

Was damals durch eine unausgereifte Technik und Sicherheitskultur in der Luftfahrt zur Katastrophe führte, wird heute durch eine immer weiter überzüchtete und komplexere Automatisierung sowie Elektronik wohl in eine falsche Richtung gelenkt. Das hat sich offenbar mit den neuesten Abstürzen neuer und modernster Passagierjets wieder einmal bestätigt.
Dateianhänge
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Denkmal in Dürrenäsch (Symbolbild)
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Sud_SE-210_Caravelle_III,_HB-ICX,_Swissair.jpg
SWISSAIR Caravelle (Symbolbild)
Sud_SE-210_Caravelle_III,_HB-ICX,_Swissair.jpg (235.17 KiB) 145 mal betrachtet



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