Thermik, Thermik.......

Hier geht es um das Thema Segelflugzeuge alle Typen und Muster

Moderator: aerotimmi

swisseagle
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Thermik, Thermik.......

Beitragvon swisseagle » 03.05.2019 23:09

Nach der segelfliegerischen Grundausbildung in Bayern konnte ich ab 1963 meine fliegerische Betätigung auf dem Köln-Bonner Flughafen fortsetzen.
Nach einigen früheren kurzen Thermikflügen auf dem Grunau Baby III in Süddeutschland flog ich im neuen Verein das Grunau Baby II b. Ein etwas spartanischer Flieger aus der Vorkriegszeit mit offenem Cockpit, radloser Landekufe und Minimalinstrumentierung (Fahrtmesser, Höhenmesser, Variometer und Flüssigkeitskompass). Da in unseren Seglern (Mü 13 E "Bergfalke" und Grunau Baby II b ) noch keine Funkgeräte eingebaut waren, konnten wir im Einvernehmen mit der Flugsicherung nach dem Windenstart im östlichen Teil des Flughafens unsere Platzrunden drehen oder auch Thermikflüge durchführen. Die Windenschleppstrecke im Osten des Flughafens betrug rund eintausend Meter, was Ausklinkhöhen zwischen 400 und 500 Metern über Grund ergab. Bei guter Thermik waren auch mit dem nostalgischen, aber wendigen Holz- und Leinwandvogel längere Flüge mit ordentlichem Höhengewinn möglich.
So auch im Sommer 1963, als kurz nach dem Ausklinken der Zeiger meines Scheibenvariometers Steigen anzeigte. Sofort kurvte ich ein und stieg im Thermikschlauch zuerst mit 1m/sec., wenig später bis zu 2m/sec. nach oben. Fasziniert beobachtete ich den Höhenmesser, der 6oo, 700, 800 und bald 900 m über Grund anzeigte. Es war ein unglaubliches Gefühl, den Fahrtwind im offenen Cockpit zu spüren und das Flughafengelände immer weiter zurück sinken zu sehen. Mit dem Kreisen im Aufwind war das so eine Sache, da ich noch ziemlich ungeübt war. Da ich immer wieder etwas zu steil kreiste und nicht konsequent auf den Horizont achtete, wirkte das Seitenruder aufgrund der grossen Schräglage teilweise wie ein Höhenruder und mein Vogel schmierte immer wieder über die kurveninnere Tragfläche ab. Der Euphorie tat das aber keinen Abbruch; ich fing das "Baby" ab und kurvte weiter. Immer wieder spürte ich die Beschleunigung, die mich in den Sitz drückte und aus dem Holzrumpf tönte dann ein kurzes Knacken.
Plötzlich tauchte weit unter mir eine vierstrahlige Boeing der Deutschen Lufthansa auf, die offensichtlich Schulungsanflüge auf die Ost- Westpiste des Köln-Bonner Flughafens durchführte. Die Maschine drehte kurz vor dem Aufsetzen in einer scharfen Kurve nach links weg und entfernte sich dann zu weiteren zwei Anflügen. Unverdrossen kurbelte ich weiter und genoss diesen ersten langen Thermikflug. Unten bildeten meine Kameraden inzwischen eine Landekette, die ich damals allerdings nicht als solche interpretierte und daher der Aufforderung zu Landung nicht nachkam.
Nach einiger Zeit tauchte unter mir die private Ka 8b unseres Fluglehrers auf, die rasch näher kam und mich dann in einiger Distanz umkreiste. Ich beobachtete, wie der Segler die Bremsklappen auf den Tragflächenoberseiten aus und einfuhr, was mich an eine kameradschaftliche Begrüssung glauben liess. War sie aber nicht - sondern eine Aufforderung zur Landung, die ich leider nicht als solche verstand. Ich hielt den Arm aus dem offenen Cockpit und winkte kräftig zurück. Dann war die Ka 8 plötzlich wieder weg.
Nach einer weiteren Viertelstunde hatte ich genug und schwebte nach längerem Sinkflug überglücklich zur Landung ein. Kaum stand mein Segler still, schritt unser Lehrer wie ein griechischer Rachegott langsam auf mich zu. Dann folgte ein fürchterlicher Anschiss bezüglich meines "Kunstfluges", verbunden mit einem dreiwöchigen Startverbot. Eine wahrlich bittere Pille, die aber angesichts meiner etwas halsbrecherischen Manöver sicher korrekt dosiert war.

Nach zweiwöchiger Demut und Werkstattarbeit wurde mir Gnade erwiesen und die dritte Woche des Startverbotes mit einer nachhaltigen Ermahnung aufgehoben. Ja, das waren noch Zeiten, über die ich heute immer noch rote Ohren bekomme..…… :roll:
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Grunau_Baby_2b_37.jpg
Grunau Baby II b (Symbolbild)
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