Alle reden vom Wetter........

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Moderator: aerotimmi

swisseagle
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Alle reden vom Wetter........

Beitragvon swisseagle » 08.06.2019 16:04

"Alle reden vom Wetter - wir nicht" war ein fast legendärer früherer Werbeslogan der deutschen Bundesbahn. Diese Werbung zielte auf die weitgehende Unabhängigkeit des Schienenverkehrs, speziell im Winter bei vereisten oder zugeschneiten Strassen und Autobahnen.
In der Fliegerei ist das Wetter sehr wichtig und verdient vorrangige Aufmerksamkeit. Jeder Pilot ist gut beraten, sich vor jedem Flug sorgfältig über die Wetterverhältnisse und die Wetterentwicklung im vorgesehenen Aktionsgebiet zu orientieren. Wie nachlässig und ignorant das immer wieder gehandhabt wird, zeigen sich regelmässig wiederholende schwere Unfälle, oft mit tödlichem Ausgang.
Als Sportflieger begebe ich mich bei auch nur annähernd zweifelhaften Wetterbedingungen gar nicht erst in die Luft. Schliesslich bezahle ich für jede Flugstunde und möchte mich neben dem Risiko nicht mit Dunst, tiefhängenden Wolken, schlechter Sicht und ähnlichen Widrigkeiten herumschlagen. Trotzdem kann man auch bei einer sorgfältigen Flugvorbereitung unvermittelt in eine Wetterfalle geraten. So geschehen vor vielen Jahren auf dem Rückflug von einem Alpenrundflug mit dem Reisemotorsegler SF 25 C "Falke".
Entspannt und happy nach einem herrlichen Flugerlebnis über den Bergen befand ich mich im Sinkflug zu meinem Ausgangsflugplatz im Kanton Aargau. Nordwestlich des Flugplatzes Hausen am Albis nahe Zürich, bemerkte ich in der Ferne eine aufziehende Wolkenwand. Ich konnte das anfangs gar nicht glauben, das ich ja vor dem Flug die Wettervorhersage eingeholt hatte und diese einwandfrei war. Ich flog also noch ein Stück mit nordwestlichem Kurs weiter und musste erkennen, dass das dunkle Wolkengebilde keine Fata Morgana war und sich immer bedrohlicher heranschob. Nun machte ich "auf dem Absatz" kehrt und flog auf Gegenkurs, wo das Wetter noch einwandfrei war. Die nächste Ausweichmöglichkeit war der Flugplatz Hausen am Albis, den ich kurz zuvor überflogen hatte, auf dem ich jedoch noch nie gelandet war. Dieser Platz durfte von auswärtigen Flugzeugen nur nach mehrtägiger Voranmeldung angeflogen werden. Die dunkle Wolkenwand hatte sich inzwischen bedrohlich herangeschoben und mir wurde schnell klar, dass ich sofort landen musste. Ueber dem Platz stellte ich fest, dass aufgrund der fortgeschrittenen Tageszeit keine Aktivitäten mehr herrschten. Dann checkte ich die Landerichtung und reihte mich in die vermutete Platzrunde ein. Für das Suchen nach der Platzfrequenz blieb keine Zeit mehr. Minuten später setzte ich problemlos auf der verlassen wirkenden Asphaltpiste auf und rollte zum Vorfeld ab.
Kaum war ich aus dem Cockpit gestiegen, brach eine wahre Sintflut los. Es schüttete wie aus Kübeln und die Sicht war praktisch Null. Wäre ich weitergeflogen, hätte ich das mit Sicherheit nicht überlebt. Nach einer halben Stunde war der Spuk so plötzlich vorbei, wie er begonnen hatte. Hinter der abziehenden Wolkenwand blauer Himmel und eitel Sonnenschein. Von einigen Fliegerkameraden, die in einem noch offenen Hangar an einem Flieger arbeiteten, lieh ich mir ein Tuch aus und wischte die Tragflächen, das Leitwerk und die Cockpithaube trocken. Dann telefonierte ich mit dem Flugplatzchef meines Flugplatzes und informierte ihn über meine Sicherheitslandung und die spätere Rückkehr, was er erleichtert zur Kenntnis nahm.
In der ruhigen Abendstimmung dieses Frühsommertages rollte ich wenig später zum Start und hob von der Piste, von der aus dem nassen Belag kleine Dunstfelder aufstiegen, zum Rückflug zu meinem Heimatflugplatz ab, wo ich nach einer guten Viertelstunde sicher landete. Die Moral von der Geschicht' - traue Wetterberichten nicht - wenigstens nicht immer und vorhehaltlos. :o
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53869780.jpg
Flugplatz Hausen am Albis (Symbolbild)
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