Gebirgsflüge geniessen - aber mit Vorsicht.....

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Moderator: aerotimmi

swisseagle
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Gebirgsflüge geniessen - aber mit Vorsicht.....

Beitragvon swisseagle » 06.09.2019 22:57

Als ich Anfang der Siebzigerjahre in die Schweiz kam, hatte ich mir bereits eine nachhaltige Erfahrung auf Segelflugzeugen mit stundenlangen Dauerflügen, Streckenflügen, Aussenlandungen und den Gegebenheiten auf einem internationalen Verkehrsflughafen erworben. Meine damaligen Flüge spielten sich jedoch vorwiegend über weitem, flachen Land und über den sanften Höhenzügen im Osten des Flughafens (Köln-Bonn) ab.
In der Schweiz schulte ich dann auf Reisemotorsegler um und erwarb schliesslich die Schweizer Lizenz für Segelflieger mit der Erweiterung für Motorsegler. Nun ging es darum, Flugerfahrung in den Bergen zu sammeln. Damals lief das alles noch viel unkomplizierter und ohne die heute üblichen bürokratischen Reglementierungen und Einschränkungen ab.
So unternahm ich vorerst zahlreiche Flüge in die nähere Umgebung meines Flugplatzes, die ich nach und nach in das Voralpengebiet ausdehnte. Es ging vor allem darum, sich in der Navigation zu üben und mit dem motorisierten Segelfliegen vertraut zu werden. Damals flog ich noch den Scheibe SF 25 C - Falken mit Zentralrad und zwei Stützrädchen an Nylonstäben unter beiden Tragflächen. Dieser Reisemotorsegler besass sehr gutmütige Flugeigenschaften (wurde er doch auch bei der Ausbildung von Segelflugschülern eingesetzt), war zuverlässig, robust und technisch unkompliziert.

Nach und nach dehnte ich meine Flüge immer weiter aus - mit zunehmender Erfahrung bis ins Hochgebirge. Diese Gebirgsflüge vermitteln fantastische Erlebnisse, sind jedoch stets mit kompromissloser Vorsicht durchzuführen.
So muss das Wetter immer sorgfältig gecheckt werden, um sich von den oft sehr unterschiedlichen Verhältnissen und raschen Wetterwechseln in den Bergen nicht überraschen zu lassen. Auch die Windverhältnisse sind ein wichtiger Faktor. Höhere Windgeschwindigkeiten, speziell bei Föhnlagen, können besonders im Lee der Bergflanken zu schweren Turbulenzen führen, die dann kaum noch beherrschbar sind. Fliegt man in ein Tal ein, an dessen Ende eine Passhöhe zu queren ist, muss diese mit sicherer Ueberhöhung und nicht im unvollendeten Steigflug angeflogen werden. Geradeaus auf die Passhöhe zuzufliegen sollte immer vermieden werden, da im Falle eines Falles die Möglichkeit zu wenden, nicht mehr gegeben sein kann. Fliegt man im spitzen Winkel an, kann man wesentlich einfacher auf Gegenkurs drehen, wenn Abwinde oder Leistungsverlust des Motors eintreten.
Die dünne Luft in grossen Höhen macht nicht nur dem Antrieb zu schaffen; sie vermindert auch die Leistungsfähigkeit des Piloten. Die von mir in jüngeren Jahren erflogenen Höhen ohne künstlichen Sauerstoff erreichten rund 4'200 m über Meer. Als Nichtraucher war das damals kein Problem. Heute begnüge ich mich - immer noch als Nichtraucher - mit ca. 3000 m über Meer.
In den Bergen drohen noch weitere Gefahren: Stromleitungen, Bergbahnkabel, und landwirtschaftliche Transportseile von Bergbauern - die oft in keiner Karte verzeichnet sind - wurden schon so manchem Kleinflugzeug oder Helikopter zum Verhängnis. Ein sicherer Abstand zu den Bergflanken und die Einhaltung entsprechender Höhen sind oft lebenswichtig.
In den meisten Berggebieten sind Aussenlandemöglichkeiten nicht gegeben oder mindestens sehr beschränkt. Daher gilt, sich immer einen sicheren Rückweg in ein Tal offen zu halten, sollte der Antrieb einmal seinen Geist aufgeben. Der Motorsegler bietet hierfür natürlich erheblich bessere Möglichkeiten, als ein reines Motorflugzeug.

Wenn ich immer wieder davon höre, dass bei schwierigen Wetterbedingungen, schlechter Sicht, kritischen Turbulenzen, nicht ausreichender Motorleistung, navigatorischen Unsicherheiten und ähnlichen Defiziten Alpenquerungen von unerfahrenen, ja ignoranten Flachlandpiloten leichtfertig praktiziert werden, dann kann ich darin nur noch eine unverständliche Kamikazementalität sehen, die jeglichen gesunden Menschenverstand vermissen lässt.
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