TV S1 - "Mayday - Alarm im Cockpit"

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swisseagle
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TV S1 - "Mayday - Alarm im Cockpit"

Beitragvon swisseagle » 24.10.2019 22:13

Medienberichte über Luftfahrtthemen, besonders über Flugzeugcrashs, sind immer wieder von geradezu haarsträubendem Unwissen, Spekulationen und fachlichem Dilettantismus behaftet. Eine Serie des TV Senders S1 "Mayday - Alarm im Cockpit" macht diesbezüglich eine rühmliche Ausnahme: Bei einer Programmauswahl war ich zufällig auf die erwähnte Serie des Senders gestossen und über die Professionalität, Sachlichkeit und hervorragende Analyse, mit der Ursachen von Flugzeugkatastrophen faktenbezogen und detailliert dokumentiert und aufgearbeitet werden, äusserst positiv überrascht.

Jüngstes Beispiel von heute Abend: Der unerklärliche Absturz einer zweimotorigen Kurzstrecken-Turboprop vom Typ Embraer stellte die Unfallermittler in den USA anfangs vor ein Rätsel. Die Maschine wechselte aus etwa 5000 m Höhe in einen schnellen Sinkflug für die bevorstehende Landung. Plötzlich ging ein gewaltiger Ruck durch das Flugzeug und es folgte ein unkontrollierbarer Sturzflug. Als die G-Kräfte das zulässige Lastvielfache überschritten, brach das Flugzeug auseinander und stürzte ab. Zeugen am Boden glaubten eine Explosion gesehen und gehört zu haben; sie vermuteten die Wirkung einer Bombe an Bord. Die Embraer zog während ihres Absturzes tatsächlich einen Feuerschweif hinter sich her. Dessen Ursache war jedoch eine abgerissene Tragfläche, aus der sich ausfliessender Treibstoff an einem Triebwerk entzündete.

Die Unfallermittler stellten bald fest, dass fast das gesamte Seiten- und das darauf aufgesetzte Höhenleitwerk am Wrack fehlte. Sie fanden dieses schliesslich, vom Rumpf abgerissen, entfernt in einem Feld. Die folgenden Untersuchungen zeigten bald, dass auf einer Seite des Höhenruders die etwas drei Meter lange Nasenverkleidung, welche den mit Druckluft aufblasbaren Gummiwulst für das Absprengen von Eis bei entsprechenden Witterungsbedingungen enthielt, fehlte. Diese Nasenleiste wurde nach aufwendigen Suchaktionen schliesslich vor einem Holzzaun im Gelände gefunden. Die weiteren Ermittlungen förderten zutage, dass die oberen Schraubenbefestigungen der Nasenleiste fehlten, und die unteren ausgerissen waren.

Die Untersuchungen konzentrierten sich anschliessend auf die Wartung der Maschine vor dem Absturz. Bei ihren Recherchen stellte das Unfalluntersuchungsteam fest, dass die Schrauben an der Oberseite der Nasenleiste des Höhenleitwerkes auf einer Seite zwar gelöst, dann aber nicht mehr befestigt worden waren. Ursache: Verschiedene Mechaniker arbeiteten unter erheblichem Zeitdruck am Flugzeug, ohne penibel die Vorschriften des technischen Rapportwesens einzuhalten. So wurde übersehen, die Nasenleiste wieder korrekt am Höhenleitwerk zu befestigen.
Ein Werkstattflug nach der Wartung verlief problemlos. Beim folgenden regulären Linienflug wählten die Piloten eine höhere Sinkgeschwindigkeit für den Landeanflug. Diese führte dann zur Ablösung und dem Abreissen der Vorderkante auf einer Seite des Höhenleitwerkes, was das Flugzeug in einen unkontrollierten Sturzflug mit anschliessendem Auseinanderbrechen geraten liess.

Die Moral von der Geschichte: Die Fliegerei ist ein hoch sensibles Gebiet, bei der selbst kleinste Unachtsamkeiten oder Fehler direkt in die Katastrophe führen können. Piloten, die auch in einem Kleinflugzeug wie erbsenzählende Buchhalter Punkt für Punkt ihrer Checklisten abarbeiten, bevor sie sich in die Luft begeben, sind von gewissen "Routiniers" nicht zu belächeln, sondern als korrekt und umsichtig zu respektieren.



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