Flugplatz oder Flughafen

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swisseagle
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Flugplatz oder Flughafen

Beitragvon swisseagle » 01.02.2020 19:00

Unter einem Flughafen verstehen wir heute ein ausgedehntes Gelände mit einer Infrastruktur, die dem Luftverkehr dient, jedoch von der Begrifflichkeit her aus der Schifffahrt abgeleitet wurde. Verkehrs- und Frachtflugzeuge starten und landen auf langen, sehr begrenzt breiten Betonpisten, die meist nach der Hauptwindrichtung ausgerichtet sind. Nach der Landung rollen die Flugzeuge auf das Vorfeld oder docken an den Armen der Gangways an, über die die Passagiere ihre Maschinen betreten oder verlassen können. Die präzisen An- und Abflüge erfolgen auch bei schlechtesten Wetterverhältnissen mit moderner luft- und bodengestützter Elektronik, die den intensiven weltweiten Luftverkehr heute zu einer Selbstverständlichkeit werden liess.
Der Begriff des Flugplatzes stammt dagegen aus den Anfängen der Luftfahrt. Damals waren Flugplätze sehr weitläufige, ebene, meist kreisförmige Gelände. Für den Start und die Landung der Flugzeuge konnte eine beliebige Richtung exakt gegen den Wind gewählt werden, da es noch keine fix ausgerichteten befestigten Start- und Landebahnen gab.
Als mit der rasanten Entwicklung des kommerziellen Luftverkehrs die Notwendigkeit verlässlicher Flugverbindungen auch bei schlechten Wetter- und Sichtbedingungen immer dringlicher wurde, begann die Entwicklung der ersten Blindlandesysteme. Ende der Zwanziger bzw. Anfang der Dreissigerjahre zeigten sich diese noch ziemlich abenteuerlich, funktionierten jedoch unter den gegebenen Verhältnissen relativ akzeptabel.
Ein Linienflugzeug, z.B. eine damalige Ju 52 der deutschen Lufthansa, flog ihren Bestimmungsflugplatz ohne Bodensicht per Funkpeilung an. In Platznähe erhielt die Besatzung anhand der Motorengeräusche von der Funkstation am Boden die Bestätigung ihrer aktuellen Position über dem Flugplatz. Daraufhin flog das Flugzeug über einer hindernisfreien Umgebung wieder vom Platz weg und drehte nach einigen Minuten auf 180 Grad Gegenkurs. Während des nun beginnenden Blind-Sinkfluges erfolgten Funkpeilungen im Minutentakt zur permanenten Kurskorrektur. Hörte der Funker am Boden das herannahende Motorengeräusch der anfliegenden Maschine, morste er z.B. MW "Motorengeräusch im Westen". Erreichte das Flugzeug korrekt die Platzgrenze bei sehr schlechter Sicht, erhielt die Besatzung die Morsenachricht ZZ - was die Landefreigabe bedeutete. Nun war angesichts des ausgedehnten und hindernisfreien Flugfeldes keine Kurskorrektur mehr nötig. Der behutsame Sinkflug konnte praktisch blind bis zum Abfangen und Aufsetzen fortgeführt werden. Bei einem Fehlanflug erhielt die Flugzeugbesatzung das Morsesignal JJ, was ein sofortiges Durchstarten und ein erneutes Anflugverfahren verlangte. Also - etwas stärkere Nerven als heutzutage müssen damalige Passagiere und Besatzungen schon gehabt haben.... :roll:
Dateianhänge
LTG62_A400M_20190102_6.jpg
Blindflug (Symbolbild)
LTG62_A400M_20190102_6.jpg (128.34 KiB) 86 mal betrachtet



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