Mit 80 noch im Cockpit - wieso nicht?

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swisseagle
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Mit 80 noch im Cockpit - wieso nicht?

Beitragvon swisseagle » 09.02.2020 22:00

Wenn betagte Piloten in einen Flugunfall verwickelt werden, erhebt sich meist lautstarkes Gezeter: Wie konnte dieser "Grufti" noch am Steuerknüppel agieren? So oder ähnlich lauten dann die bissigen Kommentare. Dabei ist Flugtauglichkeit und Fitness nicht eine Frage des Alters sondern der persönlichen Konstitution und Fitness. Hierzu das Beispiel des berühmten, inzwischen in hohem Alter verstorbenen amerikanischen Testpiloten Chuck Yeager, der als erster mit dem Raketenflugzeug Bell X1 im Horizontalflug die Schallmauer durchbrach. Yeager, der eine beispiellose fliegerische Karriere hinter sich hatte, beendete diese mit einem Flug in Begleitung eines Safety-Piloten mit 89 Jahren in einem F 15 Ueberschalljäger der US-Airforce.
Flugtauglich bis ins hohe Alter zu bleiben, ist oft eine Frage der persönlichen Lebensweise. Sicher kann auch deren Solidität nicht garantieren, dass man eine vorübergehende oder dauernde Erkrankung damit verhindern kann.
Alter ist aber auf jeden Fall relativ: Jugendliche, die trinken, rauchen, kiffen oder sich dem haltlosen Medikamentenkonsum hingeben, werden sich früher oder später gesundheitlich ruinieren. Auch übertriebener Leistungssport kann zu frühzeitigem körperlichen Verschleiss führen, der sich mit fortschreitendem Alter entsprechend negativ auswirkt. Uebertourt man ständig einen Motor, wird dieser über kurz oder lang seinen Dienst versagen. Genau so ergeht es einem Körper, der immer wieder bis an seine Leistungsgrenzen oder darüber hinaus beansprucht wird.
Bei der privaten fliegerischen Betätigung ist wohl mässig, aber regelmässig, ein empfehlenswertes Mass. Oft verunfallen Piloten mit mehreren tausend Flugstunden im Flugbuch - trotz all ihrer Erfahrung. Hier kommt vielleicht zu viel Routine oder die Macht der Gewohnheit ins Spiel, die das Risikobewusstsein erodieren lässt und die permanente Aufmerksamkeit gefährlich reduziert bzw. zur Selbstüberschätzung und Waghalsigkeit führt.
Auch ich nähere mich allmählich der Alters-"Schallmauer" 80, fühle mich jedoch nach wie vor sehr wohl und fit im Cockpit. Dabei sehe ich mich weder als Asket noch als Spartaner, hatte jedoch immer einige banale gesundheitliche Verhaltensweisen berücksichtigt: Rauchen oder mehr als sehr mässiger gelegentlicher Alkoholkonsum waren und sind kein Thema. Dazu eine abwechslungsreiche und qualitativ sehr gute Ernährung mit einem hohen Anteil an Obst und Gemüse. Regelmässige sportliche Betätigung an frischer Luft, ohne mit hängender Zunge durch die Gegend zu hecheln, sich mit dem Fahrrad bei 30 Grad über einen Pass zu quälen oder in einem Fitness-Studio bis zum geht nicht mehr Gewichte zu stemmen. Sich ohne karrierebedingtem beruflichen Stress ausserhalb von Hirarchien und Leistungsvorgaben nach eigenem Gutdünken beruflich zu betätigen, sind dem physischen und psychischen Wohlbefinden sehr förderlich.
Ich will hier weder als Prophet noch als Vorbeter erscheinen. Einige Binsenweisheiten zu streuen, kann jedoch nicht schaden.
Wie meine persönliche Einstellung in unserer Ellbogen- und Konkurrenzgesellschaft ankommt, ist mir dabei ziemlich egal.
Dateianhänge
Chuck_Yeager_commemorates_historic_flight_121014-F-HZ730-027.jpg
US-Testpilot Chuck Yeager (Symbolbild)
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