Aussenlandung - etwas kurios......

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swisseagle
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Aussenlandung - etwas kurios......

Beitragvon swisseagle » 26.03.2020 20:44

Da wir zur Zeit durch die unsägliche Corona-Krise am Boden gehalten werden, lohnt es sich, fliegerische Erinnerungen aus der Vergangenheit wieder lebendig werden zu lassen. Eine dieser Erinnerungen ist die etwas kuriose Aussenlandung in den Siebzigerjahren mit unserer damaligen Vereins-Ka 8 b:
Nach dem Windenstart auf dem Flughafen Köln-Bonn hatte ich fast unmittelbar nach dem Ausklinken des Schleppseiles einen kräftigen "Bart" (Thermik) erwischt und kurvte sofort ein. Nach einigem Zentrieren stieg ich mit bis zu 2 1/2 Metern pro Sekunde und gewann euphorisch immer mehr an Höhe. Die Ka 8 b war nicht mit den heutigen "Super-Orchideen" (Hochleistungssegler mit Gleitzahlen von teilweise über 1:40) zu vergleichen. Trotzdem war dieser Segler mit seiner Gleitzahl von ca. 1:29 sehr agil zu fliegen und erlaubte schon damals ganz ordentliche Leistungen, in meinem Fall auch die Bedingungen für die Silber-C, relativ problemlos zu erfüllen.
So meldete ich mich beim Fluglotsen aus der Kontrollzone ab und verliess die Flughafenumgebung ohne spezielle Aufgabe in einer Höhe von etwa 1'500 m über Grund. Der Flug war sehr vergnüglich: Kurven unter einer quellenden Cumulus-Wolke und die gewonnene Höhe nach dem "Sägezahnverfahren" immer wieder in Strecke umsetzend. Steigen - Strecke - steigen - und das Ganze immer wieder. So verging der Nachmittag. Mit schwächer werdender Thermik musste ich an die Rückkehr zu unserem Airport denken. Damals war Navigation noch nicht eine meiner ersten Prioritäten und das war auch nicht so zwingend erforderlich wie in unseren heutigen stark reglementieren Lufträumen. Für die Navigation hatte ich nur eine ziemlich untaugliche Autokarte an Bord - aber ein Funkgerät, mit dem ich mir vom Tower Köln-Bonn immer wieder Peilungen mit dem Kompasskurs zum Flughafen senden liess. Die Landschaft westlich von Köln ist fast topfeben. Nach stundenlangem Kreisen hatte man oft keine Ahnung mehr über die genaue Position. Auf dem Flug zurück schwächte sich die Thermik immer weiter ab und als ich mich bereits bei der Flugsicherung für den Einflug in die Kontrollzone angemeldet und den Platz in Sicht hatte, ging plötzlich nichts mehr. Also - rechtzeitig ein Aussenlandefeld suchen.
Das Gelände unter mir bot nicht allzu viel Auswahl: Getreidefelder, Gemüseäcker, undefinierbar bepflanzte Flächen usw.
Da entdeckte ich einen frisch gepflügten Acker mit seinen schnurgeraden Längsfurchen. Nichts wie los - Windrichtung gescheckt - dann Gegenanflug, Queranflug, Endanflug - wie zu Hause auf dem Platz. Sanft setzte ich den Flieger ziemlich am Ende des Ackers exakt in einer Furche auf und rollte rumpelnd auf einen quer zum Acker verlaufenden Feldweg zu. Dann kam ich in einer kleinen Vertiefung zu stehen, die Nase senkte sich und Rumpf mit Leitwerk ragten etwas steil in die Höhe. Alles paletti.
Bevor ich noch die Cockpithaube öffnen konnte, hörte ich links hinter meinem Segler Stimmen: "Der da drinnen ist bestimmt tot" rief der Filius einer Spaziergängerin, die langsam näher kam. Da klappte ich die Haube auf und zeigte mich der baff erstaunten Mama mit ihrem Sohn quick lebendig, was schliesslich ein freudiges Erstaunen auf die beiden Gesichter zauberte.
Die beiden leisteten mir noch Gesellschaft, bis ich über Funk meine Kameraden informieren konnte und das Fahrzeug für
den Rücktransport zum Flughafen eintraf. :)
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Segelflugzeug Ka 8 (Symbolbild)
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